Kennst Du das Land, in dem Zitronen blühen?
Montag, 24.11.2008 in Hanau: Info-Veranstaltung mit Gästen aus Mailand und Bologna zur politischen Situation in Italien
Seit dem erneuten Wahlsieg von Berlusconi und seiner faschistoiden Regierung sieht es in Italien ziemlich düster aus. Das passt doch gar nicht zum Klischee des aufmüpfigen und querdenkenden Italien, oder?
Über die unfassbaren Gestalten in dieser neuen "Regierung" und die politischen Verhältnisse, aber auch über den Widerstand, wie er sich zur Zeit in riesigen Protesten an Schulen und Universitäten ausdrückt, werden uns drei FreundInnen aus Norditalien berichten.
Zwei von ihnen sind antifaschistische Aktivisten aus Mailand und im Rahmen einer kleinen Veranstaltungsrundreise gerade in Deutschland
unterwegs. Zusätzlich ist eine Aktivistin der MigrantInnen- Koordination aus Bologna zu Gast.
Die Veranstaltung findet statt am Montag, den 24. November, um 20:00 Uhr im DGB-Jugendheim in Hanau, Am Freiheitsplatz 6 (über Hintereingang des Gewerkschaftsgebäudes).
Wer vorher im nahegelegenen autonomen Zentrum Metzgerstrasse noch
etwas essen möchte, sei spätestens um 19:00 Uhr dort. Dort findet die allmontägliche Volksküche statt, anlassbezogen mit italienischem Einschlag.
Die Veranstaltung wird in italienischer Sprache mit deutscher Übersetzung durchgeführt.
Einen kleinen Streifzug durch das politische Schreckenskabinett des südeuropäischen Landes findet Ihr im Anschluss (aus der Ankündigung der Veranstaltungsrundreise):
„In Italien fanden dieses Jahr mehrere Wahlen statt. Folgende Tatsachen aus Italien wollen wir hier zum Besten geben:
* Silvio Berlusconi, Medienzar und einer der reichsten Männer Italiens, ist, obwohl schon wegen Bestechung siebenmal vor Gericht gestellt und viermal schuldig gesprochen, wieder Ministerpräsident von Italien geworden. Die Verfahren gegen ihn beschrieb er als
"politisch motivierte Hexenjagd“. Mittels diverser Verordnungen und Erlassen, die er in seinen letzten beiden Amtszeiten durchsetzte, verjährten aber diese Urteile oder wurden aufgehoben. 2003 sagte Berlusconi, dass der italienische Diktator Mussolini niemand getötet habe, sondern die Menschen nur zum Urlaub ins Exil geschickt habe.
* In sein neues Kabinett berief er Roberto Calderoli von der Lega Nord. Dieser extrem rassistische und homophobe Norditaliener sitzt jetzt einem neu geschaffenen „Sonderministerium für Vereinfachungen in der Gesetzgebung“ (ital.: /Semplificazione Legislativa/) vor. Hier einige Zitate von ihm: "Die Gay-Community hat Padanien in ein Nest von Schwuchteln verwandelt. Wir werden irgendwann ein Volk von Tunten." Anlässig des WM Titels 2006 im Spiel gegen Frankreich :"Es ist ein Sieg der italienischen Identität und einer Mannschaft aus
Lombardern, Venetern, Neapolitanern und Kalabriern über eine Mannschaft, die ihre Identität für Resultate geopfert hat und in der Neger, Muslime und Kommunisten spielen." Und im letzten September plante er ein Schwein auf das Gelände des Grundstücks in Bologna zu treiben, auf dem die islamische Gemeinde eine Moschee errichten möchte.
* Präsident der italienischen Abgeordnetenkammer ist Gianfranco Fini von der Allianza Nazionale (AN, vormals MSI) geworden. Fini war der Zögling des Faschistenführers und MSI-Gründers Geogio Almirante und
Präsident der faschistischen Jugendorganisation in den 70ziger Jahren.
* Der Verteidigungminister Italiens ist der Ex MSI-ler und AN-Mitglied Ignazio La Russa, der das Militär unter dem ausgerufenen Notstand im Landesinneren einsetzt. (Ein Notstand, der angeblich wegen der Terrorisgefahr und der Kleinkriminalität von MigrantInnen
ausgerufen wurde! Bei einem Parlament, bei dem gegen fast 20 % der Mitglieder wegen Mafia-Verbindungen ermittelt wurde.)
*Die Jugendministerin ist die als Hardlinerin und Antikommunistin bekannte 31jährige Giorgia Meloni von der AN geworden Sie ist zeitgleich Präsidentin der Azione Giovani, der Jugendorganisation der
Alleanza Nazionale.
* Die Ministerin für Chancengleichheit ist das Ex-Model Mara Carfagna, die als erstes dem Gay-Pride in Rom die Unterstützung untersagte: "Il patrocinio al Gay Pride? Non sono orientata a darlo. Non servono, i Gay Pride"
* Der neue Bürgermeister von Rom heißt seit April 2008 Gianni Alemanno. Der wegen eines Molotowcocktailangriffs und weiterer Gewalttaten vorbestrafte Ex-MSI-ler betrat zur Feier seines Wahlerfolges den Balkon des Amtssitzes. Unten feierten mit Mussolinibüsten, römischem Gruß und Keltenkreuzfahnen seine Anhänger
den neuen Bürgermeister von Rom. Eine seiner ersten Amtshandlungen war der Versuch, eine Straße zu Ehren des Faschistenführers Georgio Almirante um zu benennen.
Doch nicht nur in der hohen Politik tummeln sich solche Verbrecher, auch der Sport bietet – nach wie vor – eine vielbeachtete Bühne für die rechten Agitatoren:
* Vor ein paar Wochen verkündete der Torwart Christian Abbiati vom AC Milan: "Ich bin ein Mann der rechten Seite. Ich teile gewisse Werte des Faschismus: Vaterland, Gesellschaftsordnung, Respekt gegenüber
der katholischen Religion" und "Ich bewundere die Fähigkeit des Faschismus, den Bürgern Ordnung und Sicherheit zu garantieren".
* Dabei ist er nicht das erste Fußballidol, das sich als Faschist outet. So der Ex-Lazio-Kapitän Paolo di Canio. Er sorgte mit seinem Faschisten-Gruß im Olympiastadion in Rom schon mehrfach für Wirbel. Und Alberto Aquilani, Mittelfeldspieler des AS Roma gab sich auch als
Mussolini Verehrer zu erkennen, als er meinte, er würde ein Foto von dem Duce besitzen.
*Und das Torhüter Idol Italiens Gianluigi Buffon von Juventus Turin zeigte schon 2000 in Stadium ein T-Shirt mit dem faschistischen Spruch "Gehenkt sei, wer aufgibt."
Der ganz „normale Faschismus/Rassismus“:
* Für die beschleunigte Abschiebung von Roma aus dem Balkan plant die italienische Regierung spezielle Lager und die Erfassung mit speziellen Roma-Karteien. Im Mai zündete ein rassistischer Mob vor laufenden Kameras mit Molotow-Cocktails Baracken von Roma an und vertrieben sie unter dem Jubel der anwohnenden Nachbarn. In Italien
soll die "illegale Einwanderung" laut eines neuen Sicherheitspaket zur Straftat werden, die mit Gefängnisstrafe geahndet wird.
* In der Nacht des 1. Mai wurde der 29jährige Nicola Tommasoli in Verona von 5 Faschisten ins Koma geprügelt. Er starb kurz darauf. Grund des Prügelexesses war die Verweigerung Nicolas, sich von den Rechten Zigaretten abpressen zu lassen.
*Am 14. September wurde der 19 jährige Schwarze Abdul Guibre von einem rassistischen Kneipier und seinem Sohn in Mailand verfolgt und mit einer Eisenstange so schwer zusammen geschlagen, dass er im Krankenhaus verstarb. Sie erschlugen ihn unter rassistischem Gegröhle. Angeblich soll er ein Päckchen Kekse geklaut haben.
*Am 18. September werden 6 schwarze Migranten in Castelvolturno von der Mafia erschossen. Es folgt eine ganze Welle rassistischer Angriffe und Bedrohungen in diesem Ort. Der Vorsitzende der dortigen Sektion von der Faschistenorganisation Forza Nuova ist ein bekannter
Anwalt, der auch für die Mafia arbeitet.
Dies sind nur ein paar Beispiele für die Geschehnisse im von rechtsradikalen Populisten regierten Italien. Da stellt sich schon die Frage: Kennt Du das Land, in dem Zitronen blühen?
Wer mehr darüber wissen möchte bzw. einfach auch die Gelegenheit nutzen möchte, mit politischen Aktivisten aus Italien ins Gespräch zu kommen, der oder die sei hiermit recht herzlich zur Veranstaltung eingeladen. Die zwei Aktivisten aus Mailand befinden sich wie erwähnt
auf einer kleinen Rundreise durch Deutschland und werden außer in Hanau, auch in Bielefeld, Freiburg und Bochum referieren und sich Euren interessierten Fragen stellen.
visdP: Freundinnen und Freunde der Metzgerstrasse







