Wir hatten in der letzten Ausgabe zur Mobilisierung gegen den anstehenden Fascho-Aufmarsch berichtet, doch unsere damals dokumentierte, skep-tische bis ablehnende Position der Autonomen Antifas zum Friedberger Bündnisprozess muss nachträglich als Fehleinschätzung bewertet werden. Nicht nur, dass offensichtlich an den im Text favorisierten autonomen Störaktionen wenig bis nichts Praktisches lief. Vielmehr war das, was am 1.8. in Friedberg und dann auch in Nidda passierte, keine klägliche sondern eine mutmachende Bündniserfahrung. Der folgende Bericht fasst das kurz zusammen.
„Faschismus ist kein Meinung sondern ein Verbrechen“ war in Friedberg als riesengroßes Banner an einem Kirchenhaus direkt gegenüber des Friedberger Bahnhofs aufgespannt. Sicher auch ein deutlicher inhaltlicher Ausdruck davon, dass es dort im breiten Bündnis gelungen war, die praktische Verhinderung des Nazi-Aufmarsches zum gemeinsamen Ziel zu machen und das auch gegen alle Drohungen der Polizeiführung zu halten. Denn der Einsatzleiter, ein gewisser Herr König, hatte im Vorgespräch ausdrücklich betont: „Alle reden vom ´Mainzer-Modell`, für mich ist das kein Modell, sondern eine einmalige Situation, die sich nicht wiederholen wird.“ Nach weiteren Äußerungen von ihm sollten 2.000 Grün-Weiße eingesetzt werden, um die Nazi-Demo durchzusetzen. Die polizeilichen Vorbereitungen am 1.8. waren zwar nicht entsprechend martialisch, aber dennoch war es zweifellos der Entschiedenheit des Friedberger Bündnisses und der guten lokalen wie regionalen Mobilisierung geschuldet, dass die Nazis nicht laufen konnten. Dekanin, Gewerkschaftsführung bis zu autonomen Antifas waren jedenfalls alle zusammen in der ersten Reihe, als es um die Blockierung der entscheidenden Aufmarschstrasse ging. Und wir haben bis zu 1000 Leuten gezählt, die aus allen Nebenstrassen zusammenkamen, als es ernster zu werden drohte und die Polizei aufforderte, die Straße freizugeben. Es schien jedenfalls so (und das wurde nachträglich aus wohlinformierten Quellen bestätigt!), als ob die Polizeiführung immer wieder einzuschätzen versuchte, ob eine Räumung möglich ist, aber ihre Aufforderungen führten dann nur dazu – auch bestens moderiert durch ein souveränes Lautsprecherteam aus Frankfurt/Wiesbaden! – dass noch mehr Leute auf die Straße kamen. 4 Insgesamt waren sicher 2000 antifaschistische GegendemonstrantInnen in Friedberg unterwegs… und wäre zu hoffen, dass nun ein „Friedberger Modell“ Schule macht. Für Nidda, wo auch einige hundert Leute aus dem lokalen Bündnis mobilisiert wurden, darunter übrigens viele Menschen aus der Ahmadiya- Gemeinde, hatte die frische Friedberger Erfahrung offensichtlich gleich einen unmittelbaren Nachahmeffekt. Denn das dortige Bündnis hatte – wohl auch wegen der polizeilichen Drohungen – eine offensive Verhinderung als gemeinsames Ziel nicht aufrechterhalten. „Nidda wendet sich ab“, war denn auch ein entsprechend defensiveres Motto. Aber vor Ort und mit den erfolgreichen Eindrücken aus Friedberg waren es dann auch zumindest 2 bis 300 Menschen, die sich querstellten und sich den Aufforderungen der Polizei konsequent verweigerten. Auch wenn die Nazis dann leider doch noch in Ranstadt laufen konnten, auf der Wetterauer Mischung aus bunter „Masse und Entschlossenheit“ (wie die Anti-Nazi-Koordination treffend formuliert) werden künftige Anti-Nazi-Mobilisierungen in der Region hoffentlich aufbauen können.








