Skip to Content

Rock-gegen-Rechts statt Nationaler Aktionstag in Gelnhausen (Swing 160)

Nach dem versuchten Aufmarsch in der Wetterau am 1. August und den letztendlich leeren Ankündigungen auch in mehreren hessischen Städten einen Flashmob zu Ehren Rudolf Hess‘ durchzuführen, stand in der Region noch eine weitere NPD-Aktivität diesen Sommer an: Für den 5.September hatte die NPD einen Nationalen Aktionstag in Gelnhausen angekündigt. Die Ankündigung der Faschos sah vor, Infostände und Aktionen vormittags in der Stadt durchzuführen und abends einen Kameradschaftsabend mit schwülstigen Nazi-Barden. Pikanterweise hatten die NPDler für den Kameradschaftsabend problemlos die städtische Zehntscheune angemietet, welche vor wenigen Jahren noch als Ort einer Ausstellung über die NS-Zwangsarbeit im Main-Kinzig-Kreis verweigert wurde. Nachdem sich in Gelnhausen kurz nach den Aktionen in der Wetterau ein Anti-Nazi-Bündnis bildete, wurde sich die Stadt offensichtlich bewusst was auf sie zu kam und schwenkte um. Der Mietvertrag wurde gekündigt, der NPD-Infostand verboten, ein ganztägiges Rock-gegen-Rechts-Konzert schließlich mit unterstützt. Die so gewohnte wie widerliche Masche wurde angewandt, bei der sich an die Spitze der Aktivitäten gesetzt wurde und Gelnhausen als „Kein Ort für Rechts- und Linksextremismus“ ausgerufen wurde. AntifaschistInnen, die sich gegen diesen Extremismus der Mitte wandten, waren weitestgehend marginalisiert. Die NPD versuchte derweil erfolgreich ihren Infostand gerichtlich durchzusetzen. Die Zehntscheune konnten sie allerdings nicht zurück gewinnen, schon allein wegen der polizeilichen Sicherheitslage, da das Rock-gegen-Rechts mittlerweile unmittelbar am Veranstaltungsort organisiert wurde. Die sowieso schon spärliche Mobilisierung der Faschos kam damit wohl endgültig ins Stocken. Am Tag selbst kamen lediglich eine handvoll Nazideppen aus dem inneren Kreis der Main-Kinzig-NPD und bauten einen doch ziemlich verloren wirkenden Infotisch auf. Dieser wurde sogleich von 30-40 AntifaschistInnen belagert und um einiges Propagandamaterial erleichtert. Trotz der offensichtlich unangenehmen Belagerung ihres Standes brachen die NPDler ihren Stand nicht ab, sondern versuchten sich in Streitgesprächen mit hiesigen Jugendlichen als nationale aber demokratische Partei zu präsentieren. Spätestens hier wäre der Punkt erreicht gewesen, an dem die Nazibande mit einigen antifaschistische Ohrfeigen zu bedienen gewesen wäre. Dies hätte eine entschlossene Kleingruppe auf Grund der geringen Polizeipräsenz am Stand selbst noch relativ lange durchführen können, hätte aber sicherlich nicht das Wohlgefallen der meisten lokalen Gegendemonstranten gefunden – wohl eher im Gegenteil. So blieb es dabei den Nazistand zu belagern, die Faschos anzupöpeln und – wie dreist! – den Versuch eines HR-Reporters zu versauen, der mit Möchtegern-Naziführer Daniel Knebel ein Interview machen wollte. Nach einer Stunde zogen die Faschos schließlich ab, die, entgegen ihrer ja üblichen Selbstbeweihräucherung, keinen angenehmen Vormittag in Gelnhausen verbracht hatten. Als Erfolg können sie natürlich trotzdem verbuchen, dass es ihnen gelungen war als neofaschistische Kraft öffentlich in Gelnhausen aufzutreten, ohne die Backen dafür voll zu bekommen. Daran ändert auch nichts, dass ihr VW-Transporter beim Rückzug einige Kratzer hinnehmen musste. Erwähnenswert ist, dass auch im provinziellen Main-Kinzig-Kreis mit dem Auftreten als Autonome Nationalisten kokettiert wird. Allerdings scheint dies bisher noch nicht wirklich unterfüttert zu sein und nicht über ein vereinzeltes Auftreten im Black-Block-Style hinaus zu gehen. Unangenehmer ist stattdessen, dass Nazis am Abend über das Rock-gegen-Rechts-Gelände streifen konnten, ohne als solche erkannt und angegangen worden zu sein. So was kann übel ausgehen, und lokalen AntifaschistInnen kann nur geraten werden antifaschistischen Selbstschutz zu organisieren.



Wer ist online

Zur Zeit sind 0 Benutzer und 41 Gäste online.

linksnavigator_logo.png

Archiv - nach Monat