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Reisebericht Hanauer Antifas zum Naziaufmarsch in Dresden (Swing 163)

Dresden, 13.02.2010, wie jedes Jahr planen Nazigruppen aus ganz Europa einen „Trauermarsch“ für die „Opfer des alliierten Bombenterrors“ durchzuführen. Die Entwicklung der letzten Jahre ließ befürchten, dass es sich beim diesjährigen Aufmarsch um den bisher größten Allerzeiten handeln wird. Zur sowieso schon besonderen Brisanz und Tragweite der Veranstaltung trugen die polizeilichen Repressionen bei, mit denen die antifaschistischen Bündnisse „No Pasarán sowie Dresden Nazifrei“ ( breite Bündnisse von Zivilgesellschaft bis zur Antifa) zu kämpfen hatte. Computer wurden beschlagnahmt, das Plakat des Bündnisses wurde verboten, die Aktivisten wurden durch Politiker und Polizei aufs übelste kriminalisiert. Soviel zur Situation im Vorfeld.

In Dresden angekommen war die polizeiliche Präsenz schon zu spüren, Sixpacks an fast jeder Ecke (5000 Bullen im Dauereinsatz). Nichtsdestotrotz trudelten wir so gegen 22 Uhr im AZ Conni, einem linken Zentrum in Dresden ein.

Nach einer arschkalten Nacht und nem guten Frühstück machten wir uns wiedermal bestens gelaunt auf den Weg zu den Blockaden.

Dann machte sich zum ersten mal so ein bisschen Frust breit, denn die Polizei schien ziemlich gut organisiert. Die Neustadt und das Gebiet um den Neustädter Bahnhof, an dem die Nazis aufkreuzen sollten, waren für Antifas komplett dicht und wir vermuteten, dass man die Faschos irgendwie an uns vorbeileiten würde.

Wir umrundeten das Gebiet um den Albertplatz und da es schwer nach ner groß angelegten Kesselaktion der Cops aussah, entschieden wir uns erst mal Richtung Bischofsweg zu „flüchten“.

Als wir grade im Begriff waren uns neu zu organisieren, wurde es plötzlich ziemlich laut. Aus dem Nichts war ein Bus Faschos auf den Bischofsplatz gelangt. Ein großer Mob Antifas formierte sich, Flaschen flogen. Die Bullen waren aber mal wieder zur Stelle, mit Knüppel und Reizgas konnten die AntifaschistInnen zurückgedrängt werden. Für ein paar besonders dumme Naziexemplare kam jedoch jede Hilfe zu spät. Sie bekamen zu spüren, dass es eine äußerst blöde Idee ist mit Nazifahnen und -klamotten den von AntifaschistInnen belagerten Bischofsplatz zu überqueren.

Die Kreuzung Bischofsweg/Königsbrücker Str. wurde daraufhin Schauplatz eines netten Fehlers der Polizei sowie der Dummheit der Faschos. Ein mit Nazis beladener Reisebus fuhr mitten in die aufgeheizte Menge rein. Der Bus wurde entglast, die Nazis machten sich in die Hose, die Bullen zogen sich zurück, die Straße brannte – AntifaschistInnen in Feierlaune.

Erwähnenswert war auch der Geländewagen, indem es sich 4 Glatzen fett grinsend bequem gemacht hatten. Eine zertrümmerte Heckscheibe sowie ein Fahnenstock/Speer, welcher wie in Großwildjagdmanier, in der Wagentür stecken blieb, später fanden sie sich jedoch nicht mehr so cool und machten sich auf dem schnellsten Wege davon.

Die Polizei, 20 Minuten zuvor noch unbeschränkter Herr der Lage, entwickelte sich in einen unkoordinierten Haufen von Amateuren. Diese Situation wurde ausgenutzt, es kam zu einer Art Spontandemo durch die Neustadt, wobei einige kleine und auch große brennenden Barrikaden errichtet wurden, was die Bullen permanent auf Trab hielt.

Die Cops riefen mittlerweile den polizeilichen Notstand aus. Dies hatte zu diesem Zeitpunkt die Folge, dass der Nazimarsch auf keinen Fall stattfinden kann, da die Polizei nicht mehr für die nötige Sicherheit sorgen konnte. Ein erster Erfolg.

Kurze Zeit später zeigte sich erneut, dass die Freunde und Helfer irgendwie nen schlechten Tag hatten. Ein große Gruppe Nazis wurde direkt vor eine Blockade gelotst, und kam unglaublicher Weise bis zu 10 Meter an uns ran. Die Blockierer (Bürgers, Antifas, Rentner united) hakten einander unter und setzten sich in Bewegung und erst im letzten Moment konnte die Polizei einen Zusammenstoß vereiteln. So blieb es bei Schneebällen und Nazirumgepose.

Der Rest des Tages verlief für uns ruhig, es kam jedoch immer wieder zu Meldungen (aus dem übrigens bestens funktionierenden Radiosender) über Zusammenstöße und Naziübergriffe beispielsweise aufs AZ Conni.

Über das Radio kam dann endlich die Nachricht, dass aus dem Kollektivgeflenne der Nazis zum ersten mal nichts wird und die Blockadeaktionen ihren Zweck erfüllt hatten.

Alles in allem lassen sich vom 13.02. viele positive Rückschlüsse auf zukünftige Veranstaltungen dieser Art ziehen. Die Aktionen haben gezeigt, dass sich durch massenhaften zivilen Ungehorsam, selbst in besonders schwierigen Ausgangslagen viel erreichen lässt und jede Form von antifaschistischem Widerstand richtig und wichtig ist.

Bauen wir die nächsten Jahre darauf auf!

Gegen NS-Nostalgie und Geschichtsrevisionismus!

Nazis blockieren, sabotieren und in den Arsch treten!

No Pasarán!

Antifa Hanau im März 2010

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