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Endlich wird die Arbeit knapp! (Swing 164)

Kapitalismus abwracken!
Gegen Lohnarbeit, Leistungsterror und Konkurrenz!

Gut 1000 Menschen demonstrierten am Vorabend des 1. Mai in der Frankfurter Innenstadt für die Abschaffung der Lohnarbeit und sprachen sich damit deutlich gegen eine weitere Aufrechterhaltung des Kapitalismus aus. Die Demonstration stellte den vorläufigen Höhepunkt der Kampagne „3,2,1, … uns! Kapitalismus abschaffen!“ dar. Im Rahmen der Kampagne hatten Gruppen des sozialrevolutionären und antinationalen Krisenbündnisses Frankfurt zu vielfältigen Aktionen aufgerufen, die einerseits Möglichkeiten der Vergesellschaftung und andererseits die zwangsläufig durch den Kapitalismus produzierten Abgründe an konkreten Beispielen aufzeigen sollten.

3,2,1, … uns! Kapitalismus abschaffen!

Kampagnenstart bildete die Studidemo am 30.1. in Frankfurt am Main, an der bei Eiseskälte und dichtem Schneegestöber ca. 3000 Menschen teilnahmen. Unter dem Motto „Die Uni gehört allen – Unser Leben in unsere Hände!“ hatte auch das Krisenbündnis zur Demonstration mobilisiert und sich auf den Aufruf des Protestplenums Frankfurt bezogen. Das Anliegen der Aufrufenden ging hier, anders als in anderen Städten weit über Forderungen, die ausschließlich bessere Studienbedingungen in den Focus nehmen hinaus. Vielmehr wurden die auf Selektion zielenden Mechanismen eines Bildungswesens im Kapitalismus aufgezeigt und in den Kontext der Unterwerfung aller Lebensbereiche unter Verwertungsinteressen gestellt. Folgerichtig wurde die Notwendigkeit einer radikalen Demokratisierung aller Lebensbereiche und die notwendige Vernetzung unterschiedlicher sozialer Kämpfe in den Vordergrund gestellt.

Weiter ging es im Februar. In Offenbach wurde anlässlich des Amtsantrittes des neuen Landrates Oliver Quilling noch einmal gegen die rassistische Ermittlungstruppe AG Wohlfahrt demonstriert. Nur zwei Tage später gab Quilling der Presse bekannt, dass er die AG Wohlfahrt auflösen werde. Hintergrund der Entscheidung war selbstverständlich nicht die grundsätzliche Abkehr gegen eine rassistische und im Sinne kapitalistischer Verwertungslogik betriebene Abschiebepolitik, sondern lediglich die Tatsache, dass die AG Wohlfahrt durch verschiedene Aktionen in der Öffentlichkeit in ein „unglückliches“ Licht geraten war.

Anfang April griffen erfreulicher Weise zahlreiche Menschen ein weiteres Motto der Kampagne, die „Aktion gratis fahren auf“ und demonstrierten auf vielfältige Art ihren Unmut darüber, für etwas zahlen zu sollen, was ihnen, als Teil öffentlicher Infrastruktur – zumindest theoretisch – gehört. (s. Swing 163). Exemplarisch richteten sich die Aktionen gegen den VGF und seine Preispolitik.

Am 19. April setzte die FAU Frankfurt ihre Kampagne für die Abschaffung der Leiharbeit und Hartz IV mit einem Stadtspaziergang vorbei an verschiedenen Leiharbeitsfirmen in Frankfurt fort. An der Aktion nahmen ca. 150 Leute teil, weit mehr als noch im vergangenen Jahr bei einer ähnlichen Aktion. Auch in zahlreichen anderen Städten hatten verschiedene Gruppen des Ums Ganze Bündnisses, der anarchosyndikalistischen Jugend und der FAU Aktionen zur Abschaffung der Leiharbeit auf die Beine gestellt.

Diese Gruppen riefen ebenfalls zur Demonstration am 30.4. auf.

Wie erst später bekannt wurde, erwischte es bereits 2 Tage zuvor die Scheiben des Menschhändlers Job AG in der Nähe des Frankfurter Zoos.

A-Anti-Anticapitalista!

Die Demonstration unter dem Motto „Kapitalismus abwracken!“ nahm an der Galluswarte ihren Anfang.

Hier kam 1985 im Verlauf einer Gegendemonstration anlässlich einer NPD Versammlung im Haus Gallus Günther Sare ums Leben, nachdem er während einer Hetzjagd der Polizei auf die DemonstrantInnen von einem Wasserwerfer überfahren worden war.

Ein Zeitzeuge berichtete über das Ereignis, das vielen Älteren von uns als kalkulierter Mord der Polizei in Erinnerung geblieben ist, bevor in Redebeiträgen zu den Themen Internationalismus und Reproduktion unter kapitalistischen Verhältnissen und zur Fragwürdigkeit der Lohnarbeit und des Kapitalismus an und für sich eingegangen wurde.

Gegen 19:30 Uhr setzte sich die Demo bei bester Stimmung in Bewegung. Mit Parolen wie „100 Jahre DGB tun dem Kapital nicht weh“, „A-Anti-Anticapitalista“ und „Niedriglohn und Zwangsarbeit, dafür haben wir keine Zeit“ wurde das Anliegen der DemonstrantInnen lautstark untermalt. Nach einer Zwischenkundgebung am Hauptbahnhof, in deren Verlauf unter anderem auf den Zusammenhang von Kapitalismus, Staat und Nationalismus eingegangen wurde, gelangten die TeilnehmerInnen schließlich nach mehren Sprints und dem Zünden einer bengalischen Fackel gegen 21.45 Uhr zum Ort der Abschlusskundgebung.

Am Goetheplatz waren weitere Redebeiträge zu hören. anschließend wurde noch rund zwei Stunden Musik aufgelegt und die Leute ließen den Abend tanzend oder entspannt auf dem Boden sitzend ausklingen.

Für Frankfurter Verhältnisse erstaunlich zurückhaltend verhielten sie die polizeilichen Einsatzkräfte. Zwar waren sie wie immer mit mehreren Hundertschaften und entsprechendem Equipment zu gegen, hielten sich allerdings im Vergleich zu vergangenen Demonstrationen in ihrer vollen Pracht eher in den Seitenstraßen auf.

Ausnahmsweise konnte so trotz kapitalismuskritischem Inhalt einmal ohne Wanderkesselbegleitung demonstriert werden.

Mit der Demonstration konnte auch in Frankfurt an den erfreulichen bundesweiten Trend zunehmender Aktivitäten mit grundlegend kapitalismuskritischem Inhalt eines libertären oder antiautoritär – kommunistischen Spektrums angeknüpft werden. Auch in vielen anderen Städten wurde anlässlich des 1. Mai so präsent wie schon lange nicht mehr für die Überwindung des Kapitalismus und der Lohnarbeit und eine kollektive Organisation gesellschaftlicher Produktion auf die Straße gegangen.
Let‘s go – auf das sich dieser Trend nicht als Eintagsfliege erweist!

Für die soziale Revolution!

Weitere Infos: krise.blogsport.de

Hertha, FAU Frankfurt

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