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Was Neues bei den Autonomen? Zum Buch "Perspektiven der autonomen Bewegung" von ak wantok (Swing 165)

Seit einiger Zeit scheint es wieder ein Revival autonomer Strukturen zu geben – seien es die verschiedenen autonomen Städteplena (u.a. in Hamburg und Berlin) oder der autonome Kongress letzten Jahres in der Roten Flora Hamburg. Dabei schien es einen Bezug auf das Wörtchen "autonom" zuletzt so gut wie nur noch bei antifaschistischen Gruppen zu geben. Nun ist im Münsteraner Unrast-Verlag ein Buch mit dem Titel "Perspektiven autonomer Bewegung" erschienen, herausgegeben vom ak wantok. Der Band vereint eine Vielzahl von Interviews mit aktuellen und ehemaligen Akteur_innen der autonomen Bewegung zu den unterschiedlichsten Fragestellungen. Die Bandbreite der Themen reicht von der Vielzahl der "Antis" (Antirassismus, Antifaschismus, Antikapitalismus etc.) bis hin zu Fragestellungen zu autonomer Subkultur und so wenig belichteten Bereichen wie "Burn out" und dem Rückzug aus autonomen Strukturen. Dabei werden den jeweiligen Kapiteln kurze Überlegungen des HerausgeberInnenkreises vorangestellt, die das jeweilige Thema einleiten und erläutern sollen.
Im Kern scheint es dem ak wantok um die Verbindung der unterschiedlichen Themenbereiche linker Politik und um eine Bewußtwerdung über die Gemeinsamtkeiten unterschiedlicher Teilbereiche zu gehen. Die Fragen versuchen jeweils einen Bezug zur autonomen Bewegung herzustellen. Das wirkt zwar manchmal gezwungen, doch tauchen in allen Beiträgen grundlegende Fragen zur autonomen Politik der letzten Jahrzehnte auf. Dass es notwendig ist, diese grundlegenden Fragen zu thematisieren, will die autonome Bewegung ihre Perspektivlosigkeit und Schwäche überwinden, zeigen die Auseinandersetzungen auf dem autonomen Kongress in Hamburg, aber auch die Diskussionen um Antimilitarismus und dem Gegensatz "Antideutsch" vs. "Antiimp".
Die interessantesten Teile des Buches sind die Passagen, die sich teilweise sehr persönlich mit dem Verhältnis von Szene, Identität und Politik beschäftigen (z.B. im Kapitel "Die Szene") und die Passagen, die sich um die "großen" Themen autonomer Politik (z.B. das Kapitel "Antimilitarismus") drehen. Wer vom Buch erwartet, Perspektiven autonomer Politik geliefert zu bekommen, wird enttäuscht werden. Dafür liefert es den aktuellsten Stand inner-autonomer Auseinandersetzungen und Diskussionen und damit eine gute Grundlage für eine Diskussion autonomer Perspektiven - das ist nicht das schlechteste, was das Buch erreichen könnte.
Zac

ak wantok (Hg.): Perspektiven autonomer Politik, Unrast Verlag Münster, 2010

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