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Druschbantifa - Solidarität mit der antiautoritären Linken in Russland (Swing 167)

"Nazis haben sich verändert. Sie demolieren keine Märkte – sie jagen sie mit Sprengstoff in die Luft. Außerdem sprengen sie Eisenbahnschienen, Konzerte, Kirchen, Cafes und Treppenhäuser, in denen sich ihre politischen Opponenten aufhalten. Faschisten schlagen auf PassantInnen nicht nur ein, sie töten sie. Neonaziterror ist in Russland längst Realität geworden."
[Auszug aus dem Manifest des "Komitee 19. Januar"]

Über Aktivitäten russischer Neonazis, angefangen bei den jährlichen Großdemonstrationen des "Russischen Marsches" am 4. November, über Angriffe auf MigrantInnen und AntifaschistInnen, bis hin zu gezielten Liquidationen wurde in den letzten Jahren u. a. im Antifaschistischen Infoblatt wiederholt berichtet. In letzter Zeit interessieren sich – wenn auch anders motiviert – vermehrt bürgerliche Medien für die katastrophalen Zustände am rechten Rand der russischen Zivilgesellschaft.

Die Menschenrechtsorganisation Sova zieht für das Jahr 2010 eine erschreckende Bilanz. Sie verzeichnet in ihrer Print-Ausgabe vom Januar 2011 siebenunddreißig rassistisch motivierte Morde und dreihundertachtundsechzig Verletzte.

Die letzten pogromartigen Ereignisse im Dezember 2010 bestätigen, dass die russische rechte Szene in den letzten Jahren nicht nur rasant gewachsen ist, sondern auch Gewalttaten massiv zugenommen haben:
Im Zusammenhang mit dem Tod eines jungen Fußballfans nach einer Schlägerei mit vermeintlichen Kaukasiern riefen ultra-rechte Organisationen und Hooligangruppierungen zu einer Kundgebung auf dem zentralen Manezhnaja-Platz in Moskau auf. Dort versammelten sich 4000-5000 zumeist jüngere Menschen, die fremdenfeindliche und nationalistische Parolen skandierten und sich mit der äußerst zurückhaltenden Polizei anlegten. Im Anschluss schlugen sie in verschiedenen Metrostationen auf alles ein was nicht ihrem nazistischen Menschenbild entspricht – in erster Linie auf Menschen kaukasischen Aussehens. Auch aus den Städten Rostov-on-Don, Nizhny-Novgorod, Tomsk, St. Petersburg gab es Berichte über rassistische Angriffe auf "nicht-slawisch" aussehende Menschen.
Der russische Staat ist auf dem rechten Auge nicht blind. Er weiß genau Bescheid und zeigt sich gegenüber antifaschistischen und antirassistischen Initiativen vehement repressiv, während er rassistische Überfälle bagatellisiert und Angriffe auf Linke als Rivalitäten Jugendlicher bewusst herabspielt und entpolitisiert. Geplante Attacken der Nazis werden offiziell als Hooliganismus verbucht.
Dabei greift der Staat selbst immer wieder auf die Skrupellosigkeit und das Gewaltpotential rechter Schlägertruppen zurück, wie zum Beispiel bei der Auseinandersetzung um den Bau einer Stadtautobahn durch Moskaus Grüngürtel bei Chimki.
Die BesetzerInnen wurden unter den wohlwollenden Augen der anwesenden Sonderpolizei angegriffen und teilweise schwer verletzt. Später dann erfolgten Festnahmen der Verprügelten AktivistInnen. [www.khimkibattle.org]

Die relativ junge russische Antifaszene ist mit einer neonazistischen Bewegung konfrontiert, die im Internet ihre Gegner mit Namen und Adressen benennt, offen Tötungsabsichten artikuliert und diese dann in die Tat umsetzt.
So wurde der 26 jährige Moskauer Skinhead und Antifaschist Ivan Chutorskoj am Abend des 16. November 2009 vor seinem Haus mit zwei Schüssen in den Kopf getötet.
Seit den Morden an den Journalisten Stanislaw Markelow und Anastasija Baburowa am 19. Januar 2009 organisiert sich erstmals ein breiterer Widerstand, der Unterstützung bis in Kreise der Zivilgesellschaft findet. So wurde am Todestag der beiden die antifaschistische Initiative "Komitee 19. Januar" gegründet.
2011 trat sie mit einer erfolgreichen Demonstration u. a. in Moskau in Erscheinung, an der bis zu 2500 Menschen teilnahmen. Landesweit fanden Veranstaltungen, Pressekonferenzen, Demonstrationen, Mahnwachen und unangemeldete Gedenkumzüge statt.
Nicht zuletzt durch die Russlandtour der Stage Bottles (Antifascist Oi-Punk) 2008, die von mehreren Leuten aus Frankfurt begleitet wurde, gibt es persönliche Kontakte mit linken AktivistInnen und einen Eindruck von deren Alltag und politischem Leben.
Auch in andere deutsche Städte gibt es Kontakt zu Leuten, die sich mit den Verhältnissen, mit denen die antiautoritäre Linke in Russland zu kämpfen hat, auseinandersetzen.
Weil wir bisher mehr Fragen als Antworten haben, weil uns die Nachrichten, die wir aus Russland erhalten, die Kehle zuschnüren, weil Menschen, mit denen uns nicht nur politisch viel verbindet einfach abgeknallt oder erstochen werden, haben wir ein Vernetzungs- und Austauschprojekt mit dem Namen Druschbantifa (druschba = Freundschaft) ins Leben gerufen.
In diesem Rahmen findet im Februar und März eine Rundreise russischer AktivistInnen durch mehrere deutsche Großstädte statt. Auch in Frankfurt wird es eine Informationsveranstaltung geben. Einen Tag später wollen wir mit einem Soli-Konzert und anschließender Party gemeinsam feiern und durch die Einnahmen einen finanziellen Beitrag zum Aufbau antifaschistischer/antirassistischer Infrastruktur in Russland leisten.

In diesem Sinne: Gegen Repression, Xenophobie und faschistische Morde in Russland und überall!
Russian antifascists keep the fight!!!

Die Termine in Frankfurt:

Fr, 11. März 2011 um 19.30 Uhr
"Druschbantifa" Infoveranstaltung
zur Situation der russischen Antifa und antiautoritären Linken
Cafe im DGB-Jugendclub, DGB Haus Frankfurt
Wilhelm-Leuschner-Str. 69-77
Mehr Info: www.au-frankfurt.org

Sa, 12. März 2011 ab 20.30 Uhr
"Druschbantifa" Tour-Abschlussparty
mit: Enraged Minority, Streetpunk Rheinfelden und ManifeStatioN, HC Saarlouis
anschließend Disco
In der Au 14-16, Frankfurt-Rödelheim
Mehr Info: www.au-frankfurt.org

Mehr Infos im Internet unter:
antifa.ru; khimkibattle.org
russia.indymedia.org; solianka.org

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