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Arabischer Frühling – Domino-Days im Maghreb? (Swing 167)

Erst Ben Ali in Tunesien, dann Mubarak in Ägypten – weitere Autokraten nicht nur im arabischen Raum dürften schwitzen in diesen Wochen. Denn der berühmte Funke ist zum Steppenbrand geworden, nachdem sich am 17. Dezember der junge Arbeitslose Mohammed Bouazizi aus Protest gegen die Perspektivlosigkeit und gegen die staatlichen Schikanen selbst angezündet hatte.

Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich aus der tunesischen Revolte eine Revolution, die sich trotz vieler Todesopfer nicht aufhalten ließ und den alten Herrscher aus dem Land gejagt hat. Anfang Januar sah es kurz so aus, als wäre Algerien das nächste Land des Aufstandes. Aus den heftigen Riots gegen Preiserhöhungen insbesondere in der Kabylei entwickelte sich aber keine fortlaufende Dynamik, stattdessen wurde der Tahrir-Platz in Kairo zum neuen Symbol des arabischen Frühlings.

Die Interventionistische Linke (IL) schreibt dazu sehr treffend in ihrer Erklärung vom 5. Februar:
"Ihr Aufbruch folgt keinem Plan und braucht keinen Führung, die Menschen organisieren sich selbst in einer vielstimmigen Bewegung, in der unterschiedliche Ziele und Mittel wie von selbst in einem zusammenkommen: dem Willen, jetzt sofort und gemeinsam Schluss zu machen mit Jahrzehnten der Unterdrückung, der Erniedrigung und der Lüge, Schluss zu machen auch mit einer zuletzt immer schamloser betrieben Ausplünderung. (...) Als Selbstbehauptung der Würde und der Freiheit eines und einer jeden ist die Revolte zugleich die direkte, gemeinsame und unmissverständliche Antwort der Menschen auf die fortlaufende Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen, auf die fast täglich steigenden Preise für die nächsten Mittel des Überlebens wie auf den lebenslangen Vorenthalt von Arbeits- und Lebensperspektiven. Das werden schon bald all' diejenigen zu spüren bekommen, die jetzt versuchen, sich an die Spitze des Zuges zu setzen, um am Katzentisch der Herrschaft Platz zu nehmen. Zu spüren bekommen werden dies aber auch die Regierungen der kapitalistischen Zentren, die sich seit Tagen in der heuchlerischen Bekundung ihrer "Sorge um die Stabilität der Region" überbieten. Um die "Stabilität der Region" ging es ihnen tatsächlich immer schon, um ihretwillen haben sie über Jahrzehnte hinweg die Mord- und Gewaltapparate Ben Alis, Mubaraks und der anderen Autokraten aufgerüstet, im vollen Wissen um das, was in all' diesen Jahren in den Folterkellern ihrer Verbündeten geschah und weiter geschieht (...)".

Auch wenn zur Zeit völlig offen ist, wie sich die soziale und politische Situation in Tunesien und Ägypten weiterentwickelt, auch wenn sich wie gewohnt neue Machteliten in Startpositionen bringen und der "demokratische Westen" sich heuchlerisch anbiedert, um Einfluss zu nehmen – die Welt ist mit den arabischen Aufständen neu in Bewegung geraten. Auch wenn zur Zeit unabsehbar ist, ob sich der Flächenbrand weiter ausbreiten kann im arabischen Raum und darüber hinaus, formuliert die IL die richtige Frage: "Müssen wir darauf hinweisen, dass die Lehre des Tahrir-Platzes auch eine ganz praktische Lehre ist, dass sie uns allen überall auf der Welt zeigt, wie schnell die Schleier der Desinformation und Konfusion zerrissen werden können, die von Kapital, Staat und Medien jeden Tag aufs Neue gewoben werden?"

Die IL-Erklärung:
www.dazwischengehen.org/kategorie/sorte/soli-erkl-rung

Weitere Infos zu Tunesien und Ägypten: www.labournet.de/internationales/tn/index.html
www.labournet.de/internationales/eg/index.html

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