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Leserbrief zu swing-Castorartikel (Swing 167)

In der letzten Swing (Nr. 166) sind zwei Berichte über die Proteste gegen den Castortransport nach Gorleben zu lesen gewesen. Dem Optimismus, der offen oder zwischen den Zeilen vorgebracht wurde, kann ich nicht vorbehaltlos zustimmen.

Es mag zwar (ein weiteres Mal) gelungen sein, die Kritik an der Atomkraft und die Problematik der Atomtransporte ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gebracht zu haben. Sicherlich war die Aktion "Castor schottern" ein strategisch-praktischer und medialer Erfolg und vielleicht sogar eine Stärkung der radikalen Linken. Das ist nicht das Schlechteste. Doch die im Vorfeld auch von "Castor schottern" und der Interventionistischen Linken (IL) propagierte Verknüpfung der Kritik des Castortransports und der Atomkraft mit anderen Energiekämpfen, wie den Kämpfen gegen Kohlestrom, gegen CO2-Endlagerung und um die Vergesellschaftung der Energiekonzerne ist hingegen völlig ausgeblieben – und hatte anscheinend keine Priorität bei den meisten Gruppen. Die ganze Intervention schien – stärker als in den Jahren zuvor – auch keine inhaltliche Stoßrichtung zu haben. So schwebt die Kampagne "Castor schottern" zum Teil als ein Ufo innerhalb der Anti-Akw-Bewegung, selbst wenn es eine gute Zusammenarbeit mit den örtlichen BI-Strukturen und anderen Kampagnen wie Widersetzen! oder x-tausendmal quer gegeben haben mag. Aber ohne eine stärkere Beteiligung radikalerer Linker an den Kämpfen dieser Bewegung wird es auch keine soziale und Ausweitung linksradikaler Gesellschaftskritik und Anknüpfung an andere emanzipatorische Energiekämpfe geben. Dies ist vielleicht generell auch die große Schwäche der auf Praxis ausgerichteten Kampagnen der IL der letzten Jahre. Zwar machen diese Kampagnen (Block G8, Köln, Jena, Dresden und zuletzt Castor schottern) es vielen Menschen möglich, an Aktionen des zivilen Ungehorsams teilzunehmen und teilweise massenmilitante Erfahrungen zu machen – doch das war's dann auch. Viel mehr als Kampagnenhopping bleibt dann nicht übrig. Und eigentlich muss es doch um eine Stärkung von lokalen Bezugsgruppen und Kämpfen gehen und um eine Verknüpfung dieser mit anderen Kämpfen. Hier ist meiner Meinung nach sehr viel mehr möglich und notwendig. Dies ist meiner Meinung nach auch die Herausforderung, vor der die IL und die Kampagne "Castor schottern" (aber auch alle anderen linksradikalen, autonomen Gruppen) dieses Jahr stehen.

Frank

Kurze Anmerkung der Redaktion: keiner der beiden Castor-Autoren in der letzten Swing gehört zur IL. Und "Castor schottern 2010" war ein Bündnisprojekt, an dem sich die IL, aber auch viele andere Gruppen und Netzwerke beteiligt haben.

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