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Antira-Nachrichten - Das Potential der AntiRa-Bewegung (Swing 167)

Bis zu 300 Aktive und Neu-Interessierte bei Frankfurter Konferenz

Die Zusammensetzung spiegelte nahezu die gesamte Breite der antirassistischen aktivistischen Bewegung wieder. Zudem nahmen nicht wenige Neu-Interessierte (auch aus Rhein-Main) an der Konferenz teil, zu der das Netzwerk Welcome-to-Europe Mitte Dezember in das Studierendenhaus an der Uni eingeladen hatte.

Der Auftakt begann im übervollen Saal vor 300 Leuten mit einer historisierenden Vision, in der versucht wurde, die heutigen antirassistischen Kämpfe "auf den Schultern eines Giganten" zu verorten. Im Hintergrund lief ein Loop mit Bildern der weißen und schwarzen AbolitionistInnen des 18. und 19. Jahrhunderts. Und einem Abriss des erfolgreichen Kampfes gegen die Sklaverei in den USA mit Ausführungen zur damaligen Underground Railway folgte – überbrückt vom Kampf gegen die Apartheid in Südafrika – die Aufforderung zum Ausbau transeuropäischer Solidaritätsnetze für globale Bewegungsfreiheit heute ... siehe dies und mehr auf der Konferenz-Website:
http://conference.w2eu.net

Mit 10 kurzen Bildervorträgen zu verschiedenen Projekten und Kampagnen gelang es gleich am ersten Abend, eine Atmosphäre der Vielfalt UND Gemeinsamkeit herzustellen, die auch die beiden folgenden Tage prägte. Einige Workshops begannen mit Anlaufschwierigkeiten, weil der Stand der Erfahrungen und entsprechende Bedürfnisse sehr unterschiedlich oder diese AGs zu wenig vorbereitet waren. Insgesamt überwog aber der produktive Austausch in den rund 20 Diskussionsrunden, die von Bilanzdebatten 13 Jahre nach dem Aufruf von kein mensch ist illegal über Problemstellungen in der Zusammenarbeit mit Gruppen in Marokko oder Mali bis zu praktischen Planungen der Anti-Lager-Initiativen reichte. Kampagnen gegen Frontex oder Dublin II diskutierten nächste Schritte, Beratungsgruppen und Infomobile verabredeten die Erstellung gemeinsamer Materialien, die Sammlung der verschiedenen Initiativen im Konferenzreader soll zu "Gelben Seiten" der Antira-Bewegung weiterentwickelt werden.

Seit Jahren zeichnet die AntiRa-Bewegung eine beachtliche Kontinuität aus, und das gleichzeitig in lokal verankerten wie auch in transnational vernetzten Projekten – in Frankfurt wurde das Potential spürbar, das in dieser Vielfalt, in der Zusammensetzung, den Kontakten und Querverbindungen liegt. Zu Recht wurde darauf verzichtet, zu schnell einen Bündelungspunkt zu suchen und für 2011 eine große gemeinsame Mobilisierung ins Auge zu fassen. Die Stimmung beim Abschlussplenum war aber eindeutig optimistisch und von gemeinsamem Tatendrang geprägt: Verdichtung der Netzwerkprozesse, verbindlichere Kommunikation und Kooperation, und Ende 2011 in einer Folgekonferenz nächste Schritte anpacken.

kein mensch ist illegal/Hanau (aus einer längeren Fassung für analyse und kritik)

Ka Siaraou Dayele – Für offene Grenzen!

Kurzbericht zur Bamako-Dakar-Tour

"Für globale Bewegungsfreiheit und gerechte Entwicklung" – unter diesem Doppeltitel startete Ende Januar in der Hauptstadt von Mali eine Protestkarawane zum Weltsozialforum nach Dakar. In 4 Bussen mit 230 AktivistInnen begann die Tour zunächst Richtung mauretanischer Grenze mit beeindruckenden Demonstrationen in der Grenzstadt Nioro und am Übergang Gogui. Am Rande der Sahara gelegen sind beides Tatorte der vorverlagerten EU-Migrationskontrolle. Denn hier werden regelmäßig von EU-Staaten abgeschobene oder von Frontex-Booten vor der westafrikanischen Küste abgefangene Flüchtlinge und MigrantInnen ausgesetzt, nachdem sie mittels EU-Geldern in Mauretanien inhaftiert und dann weitertransportiert wurden. Hier und auch in den folgenden Stationen erlebten wir, dass die Menschen in Mali und im Senegal, die – wenn nicht persönlich, so doch über Verwandte und Bekannte ihre Erfahrungen mit dem EU-Grenzregime haben – spontan sofort die Forderungen nach Abschaffung der Grenzen und nach globaler Bewegungsfreiheit unterstützen. Schließlich entspricht dies direkt oder indirekt ihrem unmittelbaren sozialen Interesse: denn Migration ist oder wäre für viele eine Option auf ein besseres Leben, an den Rücküberweisungen der MigrantInnen hängt die Existenz ganzer Dörfer. Gleichzeitig ist der Alltag hier in Westafrika dermaßen stark von einem ständigen Überlebenskampf ums Einkommen geprägt, dass keine oder kaum Zeit und Energie für eine entsprechende politische Organisierung bleibt. Es erscheint vor diesem Hintergrund als eine der großen Herausforderungen für Afrique-Europe-Interact, in diesem sozial-politischen Spannungsfeld in verbindlichen Kontakten längerfristige Perspektiven zu entwickeln. Der große Trumpf der Karawane war jedenfalls ihre Zusammensetzung: neben 110 Aktiven aus Westafrika waren in der 120-köpfigen europäischen Delegation viele TeilnehmerInnen mit afrikanischem Migrationshintergrund! In dieser Mischung konnten unzählige Kontakte geknüpft und ein Hauptziel des Projektes erreicht werden: die euro-afrikanische Vernetzung auf der Grasroot-Ebene voranzutreiben.

Berichte, Fotos und mehr zur Karawane: www.afrique-europe-interact.net

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