Freie Bürger, Pegida und Co (Swing 190)

Montäglicher rassistischer Zirkus in Frankfurts Innenstadt

Schön wäre es gewesen, wenn Heidi Mund und Co in dieser Ausgabe unerwähnt hätten bleiben können. Doch nach wie vor versammelt sich jeden Montag ein Haufen unverbesserlicher RassistInnen in der Frankfurter Innenstadt. Mal an der Hauptwache, mal am Roßmarkt, manchmal gar auf dem Römer. Das Bild, welches die RassistInnen dabei abgeben, wird von mal zu mal kläglicher.

Doch auch der antifaschistische Gegenprotest ist um einiges kleiner und leiser geworden. Wurde die erste Kundgebung von Pegida Frankfurt mit 100 TeilnehmerInnen noch von 4000 Menschen mit Eiern, Steinen und Blockaden beantwortet, stehen zur Zeit jeden Montag ein paar hundert AntifaschistInnen mal 25, mal 40 RassistInnen gegenüber.

Die letzten Wochen

Die Initiatorin Heidi Mund und ihr Mann Matthias Mund haben ihre Drohung wahr gemacht und beinahe jede Woche eine Kundgebung in der Frankfurter Innenstadt abgehalten. Am 09.03 bestand Heidi Mund gar darauf, einen „Spaziergang“ durchzuführen. Nachdem bereits viele AntifaschistInnen den Ort des Geschehens verlassen hatten, da sie davon ausgingen, die Kundgebung sei beendet, setzte die Polizei eine Demonstration von der Hauptwache bis zur U-Bahn Station Willy-Brandt Platz durch. Im Laufschritt und unter massivem Einsatz von Knüppeln und Pfefferspray konnte „spaziert“ werden. Der Widerstand der an der Hauptwache verbliebenen AntifaschistInnen war dabei erfreulicherweise enorm und der ein oder andere fliegende Gegenstand fand seinen Weg ins Ziel. Die mit Platzwunde am Frontransparent marschierende Christine Anderson ließ sich davon nicht beirren und äußerte sich in einem auf PI-News veröffentlichten Video: „Ich liebe mein Land und ich werde es verteidigen und wenn es das letzte ist, was ich tue“.

Die Spaltung

Die Durchführung des „Spaziergangs“ trotz Warnungen der Polizei nahm Lutz Bachmann zum Anlass, sich von Heidi Mund zu distanzieren und ihr die Weiterverwendung des Namens Pegida zu verbieten. Spaziergänge in Frankfurt seien gegenüber den TeilnehmerInnen nicht zu verantworten, so Bachmann. Bereits vor der Distanzierung von Bachmann hatte sich Heidi Mund mit ihrem Mitinitiator Hans Weber (Ex-AfDler aus dem Tau­nus) überworfen, was zu einer deutlichen Dezimierung der TeilnehmerInnen führte. Lutz Bachmann dürfte sich über einen Grund, sich von Heidi Mund zu distanzieren, gefreut haben, denn Heidis doch sehr abgedrehter, evangelikaler Dogmatismus ist sogar den Pegida-OrganisatorInnen zu viel.

Heidi Mund gründete daraufhin mit Unterstützung von Michael Stürzenberger (Partei die Freiheit) aus München die „Freien Bürger für Deutschland“; Hans-Weber sucht neue MitstreiterInnen für Pegida Frankfurt.
Michael Stürzenberger und seine Frau Esther Seitz waren in den letzten Woche bei beinahe jeder Kundgebung der „Freien Bürger für Deutschland“ anwesend und Stürzenberger glänzte durch stundenlanges schimpfen über Homosexuelle, Linke und Nicht-Christen.

Das Spektrum

Im Laufe der montäglichen rassistischen Kundgebungen hat sich das Spektrum der TeilnehmerInnen verändert. Nahmen zu Beginn auch Mitglieder der NPD wie Stefan Jagsch, Mitglieder des FN-Hessen wie Kai König, Mitglieder von Pro-Deutschland wie Jan Kalbhenn oder Neonazis aus dem Hogesa Spektrum wie Daniel Hartmann teil, finden sich diese nun nicht mehr auf den Kundgebungen der „Freien Bürger für Deutschland“. Hier versammeln sich zur Zeit hauptsächlich Personen aus dem Dunstkreis des größten deutschen Rechtsaußen-Blogs PI-News, AnhängerInnen der Partei Die Freiheit und MitstreiterInnen der Familie Mund. Mensch darf gespannt sein, ob das Spektrum auf den anstehenden Kundgebungen von Pegida anders aussehen wird.

La Familia

Am 27.03 berichtete der amerikanische christliche Fernsehsender CBN zum wiederholten Male über die „mutige Deutsche“ Heidi Mund. Der Familie Mund, welche im Schelmenweg 18 in Frankfurt Bergen-Enkheim zuhause ist, scheint der antifaschistische Protest ganz schön zu schaffen zu machen. Trotz ihres Schutz­engels berichtet Heidi im TV-Beitrag Angst zu haben, ihr Haus zu verlassen, seit sie von AntifaschistInnen in ihrer Nachbarschaft geoutet wurde. Außerdem wüssten sie und ihr Mann nicht mehr wie sie ihr Haus abbezahlen sollten, seit Matthias seinen Job verloren habe. Antifaschistischer Druck auf die Familie Mund scheint, unabhängig des montäglichen Spektakels, also durchaus sinnvoll zu sein und sollte aufrechterhalten werden.

Die Antifa

Dass der massive und militante, antifaschistische Gegenprotest des ersten Auftrittes von Heidi und Co nicht gehalten werden würde, war abzusehen und wohl auch nicht möglich. Zurzeit wird der Gegenprotest hauptsächlich von der Anti-Nazi Koordination, Gewerkschaftsjugenden und migrantischen, linken Gruppen weitergeführt. Diese beweisen ein bewundernswertes Maß an Ausdauer und schaffen es immer wieder, die RassistInnen zu übertönen, deren Außenwirkung gen Null tendiert.
Insgesamt ist die Zahl der AntifaschistInnen auf ein paar hundert geschrumpft und es sind bis auf die bereits Genannten kaum noch organisierte Gruppen anwesend. Dies ist aus verschiedenen Gründen verständlich, führt die montägliche statische Situation nämlich zu einer wunderbaren Möglichkeit der staatlichen Behörden nach Belieben Personalien festzustellen und AntifaschistInnen zu kriminalisieren. Neben dem banalen Problem, nicht jeden Montag Zeit und Lust zu haben, sich den sexistischen, rassistischen und homophoben Müll von Heidi anzuhören, gibt es also für manche Personen gute Gründe diese Situation zu meiden. Der unorganisierte antifaschistische Gegenprotest führt aber dazu, dass Grenzüberschreitungen wie Eierwürfe oder ähnliches inzwischen völlig unmöglich geworden sind, da die Polizei sich unwidersprochen mitten unter die AntifaschistInnen mischt und jegliche Form des Protestes, der über das Lärm machen hinausgeht, mit teils brutaler Gewalt und Festnahmen unterbindet. Auch für Neonazis ist es inzwischen völlig unproblematisch, sich unerkannt unter die Gegenproteste zu mischen. Bereits mehrmals war Daniel Hartmann (siehe Bild rechts), ein Neonazi aus dem Hogesa-Spektrum, anwesend und machte Fotos und Videos von AntifaschistInnen, ohne dass er daran gehindert wurde. Dies gilt es bei den nächsten Kundgebungen entschlossen zu verhindern.

Der Ausblick

So wie es aussieht scheint, sich in Frankfurt (in kleinem Ausmaß) die bundesweite Entwicklung widerzuspiegeln: Das Problem löst sich leider nicht von alleine.
Dass es sich bei Heidi und Co inzwischen um einen ziemlich kläglichen Haufen handelt, ist ganz sicher zum großen Teil der Erfolg des dauerhaften antifaschistischen Protestes. Auch wenn es nervt, langweilt und eine Zumutung ist, sollten wir versuchen, ihn aufrecht zu erhalten – wenn nicht gar noch einmal zu intensivieren. Brennenden Flüchtlingsunterkünfte in Ostdeutschland und die mit der Luftpistole beschossene Flüchtlingsunterkunft in Hofheim im Taunus sind im Zusammenhang mit Heidi, Pegida und Co zu betrachten. Obwohl Pegida Frankfurt es schafft, einen kompletten Reisebus zu füllen, um zu Geerd Wilders nach Dresden zu fahren, kann davon ausgegangen werden, dass sich einige Rassistinnen aber Montags nicht in die Innenstadt trauen, weil wir da stehen.
In diesem Sinne: Bis Montag