300 gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus in Mainz

Nach den Übergriffen am Kölner Hauptbahnhof kippt die gesellschaftliche und politische Stimmung immer weiter. Um gegen die rassistische Instrumentalisierung der Vorfälle zu demonstrieren, zogen am 16. Januar 2016 mehr als 300 Menschen durch die Mainzer Innenstadt. Die Veranstalter*innen auf ihrer Webseite: „Wir demonstrieren gegen die weiterhin als normal bezeichnete Realität, in der vorwiegend Frauen sich seit sehr langer Zeit andauernd, ständig, immer wieder, teilweise täglich gegen Übergriffe aller Art zur Wehr setzen müssen. Wir wollen uns äußerst scharf gegen die rassistische Behauptung stellen, dass es Sexismus, sexualisierte Gewalt und Männlichkeitsvorstellungen nur bei bestimmten Gruppen geben würde.“
Immer wieder sind auf der Demo daher auch antirassistische Parolen zu hören, und Redner*innen appellieren, die Kämpfe gegen Sexismus und Rassismus nicht gegeneinander auszuspielen.
Viele der Frauen*, die heute gekommen sind, sind sich einig darin, dass die parlamentarisch-politisch Reaktion auf die Übergriffe im Großen und Ganzen bestenfalls ein schlechter Scherz ist. „Irgendwelche alten Kerle nennen mich ’süße Maus‘, und ungebeten grabschen mir eklige Typen an den Arsch – das war schon immer so, nicht erst, seit viele geflüchtete Menschen hierher kommen.“, erzählt eine Freundin. Wie andere Frauen* hier fühlt sie sich von der rassistischen Nutzbarmachung der sexistischen Übergriffe in ihren eigenen Betroffenheit ignoriert und hintergangen. Bärbel, 25, ist etwas optimistischer: „Wenigstens wird jetzt überhaupt mal über Sexismus und sexistische Übergriffe geredet.“ Doch oft sind es weiße, kartofflige Männer, die diese Debatten führen. Marginalisierte Betroffene wie nicht-weiße Frauen* finden derzeit kaum Gehör.
Dagegen wendet sich die #ausnahmslos-Kampagne, unter deren Motto die Demo heute steht: „Gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus. Immer. Überall. #ausnahmslos.“ Nicole, 28, ist Mitautorin des Kampagnen-Aufrufs, den schon fast 10.000 Menschen unterzeichnet haben. In ihrer Rede stellt sie fest, dass sexualisierte Gewalt kein Problem der „Anderen“ ist, sondern unsere Gesellschaft schon immer prägt. „Mehr als die Hälfte aller Frauen in Europa wurden schon einmal sexuell belästigt, knapp ein Drittel hat sexualisierte Gewalt erfahren. Das ist ein Fakt und nichts Neues.“ Dem verbreiteten Rassismus und Sexismus hält #ausnahmslos eine Reihe von gesellschaftlichen, politischen und medialen Forderungen entgegen.
„Ich finde es gerade jetzt wichtig, dass wir ein Bündnis von nicht nur weißen Feminist*innen suchen, sondern beispielsweise auch Muslima eine tragende Rolle in der Gruppe spielen. Das ist essentiell, wollen wir doch gegen die rassistische Vereinnahmung von feministischen Kämpfen vorgehen.“
von: zwischenze.it