Antimilitaristischer Pro(te)st mit Sekt & Selters bei der DHL

dhl28042010-6_teaser.jpgAb 9.00 Uhr bis in den Mittag war der Vorplatz der Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst Schauplatz eines antimilitaristischen Empfangs. Durch ein Spalier von mit Rüstungsgütern bestückten Paketen und Transparenten wurde den Aktionär/innen der Deutsche Post AG die Möglichkeit gegeben auf den Rückzug aus dem Geschäft mit dem Krieg anzustoßen - und sich zu einzustimmen für die entsprechenden Anträge, die während der Hauptversammlung von den Kritischen Aktionär/innen vorgetragen wurden. War also draußen fast mehr vom Protest gegen die Sparte Militärlogistik der DHL als von der Post selbst zu sehen, gelang es auch drinnen dem Protest eine lautstarke Stimme zu geben.
Mit Transparenten und Rufen wurde Post-Chef Appel mehrfach unterbrochen. Gefordert wurde das Ende des Geschäfts mit dem Krieg. Die Saalwache musste sich dieser unliebsamen Aktionär/innen durch Entfernen aus dem Saal entledigen.
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Um 9 Uhr morgens startete der antimilitaristische Sektempfang vor der Jahrhunderthalle in Frankfurt. Mit vielen interessierten Aktionär/innen und vom DHL-Catering enttäuschten Schnittchenjäger/innen wurde auf den Einstieg in den Ausstieg aus dem Kriegslogistikgeschäft angestoßen.

Leider ist dieser „Ausstieg“ alles andere als umfassend und daher versammelten sich in und vor der Halle rund 40 Antimilitarist/innen und kritische Aktionäre der Initiative „Zivile Post 2011“. Diese bemängelt das ungebremste Engagement des Kriegslogistikers für die NATO-Truppen im Irak und in Afghanistan, den weiteren Ausbau des maßgeblich militärisch genutzten DHL-Luftfahrtdrehkreuzes in Leipzig/Halle und die fortgeführten militärischen Logistik-Dienstleistungen für die Bundeswehr.

In der Halle wurde die Rede des Vorstandsvorsitzenden Appel dreimal unterbrochen. Gänzlich unvorbereitet schienen Vorstand und Security, als die erste Gruppe von antimilitaristischen Aktionär/innen mit einem Transparent „Kein Geschäft mit dem Krieg“ vor die Bühne trat.
Es dauerte einige Minuten, bis die Aktionär/innen unter „DHL raus aus dem Krieg“ Rufen aus dem Saal gedrängt wurden. Danach folgten zeitversetzt zwei weitere Gruppen.

Der Dachverband der kritischen Aktionäre unterstützte in seinem folgenden Redebeitrag die Initiative „Zivile Post 2011“ und kritisierte den Rauswurf der Aktionär/innen. Konzernchef Appel reagierte auf den Beitrag mit der unqualifizierten Behauptung, dass die DHL „keine Waffen und keine Munition“ transportieren würde.

Trotz mehrfacher Nachfrage der Presse konnte die Aktivist/innen keinen „Reifenstecher“ und keine „Postauto-Anzünder“ präsentieren. Einig war mensch sich dennoch, dass die logistische Unterstützung von „Militäroperationen“ (Massakern) wie am 4. September letzten Jahres in Kunduz mit 142 Toten deutlich bedauernswerter seien, als die Beschädigung von DHL-Fahrzeugen.

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Frankfurter Rundschau, 28.04.2010:
Erstmals in der Konzerngeschichte gab es lautstarke politische Zwischenrufe und Transparente in einer Hauptversammlung. "Die Deutsche Post ist in wachsendem Umfang für die Nato in Afghanistan und im Irak unterwegs. Deswegen baut die Posttochter DHL ihr Luftdrehkreuz Leipzig für den Versand von Kriegslogistik aus", begründete Markus Dufner vom Dachverband der kritischen Aktionäre das Engagement von rund einem Dutzend Protestierenden.

Seit fast acht Jahren bestehe ein Vertrag der Post mit der Bundeswehr, militärische Güter bis zum Gewicht von 50 Kilogramm und die Feldpost in die Kriegsgebiete zu liefern. Dadurch profitiere das Unternehmen vom schmutzigen Geschäft mit dem Krieg. "Diese Umwandlung des Konzerns vom Brief- und Paketzusteller in einen Lieferservice für die Militärmaschinerie können wir Aktionäre nicht hinnehmen", erklärte Dufner.

Die Post zeigte sich wenig erbaut. Die Kritiker wurden von Ordnern aus der Jahrhunderthalle getragen. Drinnen konterte der Vorstand die Angriffe mit einem schriftlichen Statement. Das Unternehmen transportiere weder Waffen noch Munition nach Afghanistan und in den Irak. Die DHL liefere lediglich im Rahmen von internationalen Regelungen Waren und Dokumente. Alle Transporte entsprächen dem Völkerrecht und den UN-Konventionen, heißt es.

Aus der Meldung von dpa:
Auf der Hauptversammlung haben einige Demonstranten und Aktionäre der Deutschen Post gegen Dienstleistungen der Post-Tochter DHL für das US-Militär und die Bundeswehr protestiert. Sie störten die Hauptversammlung des Unternehmens am Mittwoch in Frankfurt, bevor sie aus dem Saal entfernt wurden. Sie riefen „Keine Geschäfte mit dem Krieg!“. Nach Darstellung der Demonstranten ist DHL auch im Irak und in Afghanistan engagiert. Hauptkunde im Irak sei das US-Militär. Dort transportiere die DHL neben der Feldpost noch „verschiedenste Güter“. Wiederholt kam es in den vergangenen Monaten zu Brandanschlägen auf DHL-Fahrzeuge.

Appel erklärte: „Alle Transporte und Services, die wir für die Bundeswehr oder eine andere Armee erbringen, entsprechen stets den geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen, dem Völkerrecht sowie den UN-Konventionen.“ Die Post kooperiert nach eigenen Angaben bereits seit vielen Jahren mit der Bundeswehr. Dazu gehöre auch logistische Unterstützung. Nach Afghanistan und in den Irak transportiere DHL weder Waffen noch Munition. (dpa)

Titel bei BILD: Proteste gegen DHL-Dienste für US-Militär und Bundeswehr

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Indymedia: F: Proteste bei Post/DHL-Hauptversammlung

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Deutsche Post sieht Erholung ihres Geschäfts
General-Anzeiger Bonn, 28.04.2010
Einige Demonstranten und kritische Aktionäre störten die Hauptversammlung mit Protesten gegen Dienstleistungen der Post-Tochter DHL für das US-Militär und die Bundeswehr. Sie forderten: «Keine Geschäfte mit dem Krieg!» Nach Darstellung der Demonstranten ist DHL auch im Irak und in Afghanistan engagiert. Hauptkunde im Irak sei das US-Militär. Dort transportiere DHL neben der Feldpost noch «verschiedenste Güter». Wiederholt kam es in den vergangenen Monaten zu Brandanschlägen auf DHL-Fahrzeuge.

Die Deutsche Post und DHL transportierten weder Waffen noch Munition nach Afghanistan und in den Irak, sagte Appel. «Alle Transporte und Services, die wir für die Bundeswehr oder eine andere Armee erbringen, entsprechen stets den geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen, dem Völkerrecht sowie den UN-Konventionen.» DHL schaffe mit seiner Präsenz in Afghanistan auch Arbeitsplätze für die dortige Bevölkerung.

Die Post kooperiert nach eigenen Angaben bereits seit vielen Jahren mit der Bundeswehr. Dazu gehöre die «logistische Unterstützung». Die Bewerbung um einen Milliardenauftrag der Bundeswehr sei aus unternehmerischen Gründen wieder zurückgezogen worden, sagte Appel. Nähere Angaben zu den Geschäften mit Partnern aus dem Militärbereich wollte der Post-Chef nicht machen.